Prora auf Rügen

Steingewordener Wahnsinn

Prora auf Rügen: Einer der südlichen Blöcke – Bild Nr. 200910106683

(Zum Vergrößern: Bild anklicken!)

Es sollte ein Superlativ in jeder Hinsicht werden, das von den Nationalsozialisten geplante und gebaute KdF-Seebad Prora, welches aber niemals ganz fertiggestellt wurde. Das längste Gebäude der Welt, mit über 4 km Länge, ist der ‚Koloss von Rügen‚ aber trotzdem geworden.

Prora auf Rügen – Bild Nr. 200910106678

Die Ferienanlage an der Ostsee sollte, so war es geplant, 20.000 Menschen zur gleichen Zeit einen Urlaub ermöglichen. Mit dieser Propaganda-Maßnahme wollte man die arbeitenden Bevölkerung bei Laune halten, damit sie nicht gegen soziale Missstände aufbegehrte. Die Zeit der Nazi-Herrschaft reichte jedoch nicht aus, dieses wahnsinnige Projekt zu vollenden, aber die schier unendlich langen ‚Bettenhäuser‘ wurden weitgehendst fertig gestellt. Nach dem Krieg wurden Teile der Anlage als Notunterkunft für Flüchtlinge und später dann als Kaserne der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA) genutzt.

Bild Nr. 200910106686

Über die zivile Nutzung des Komplexes wurde nach der Wiedervereinigung viel nachgedacht und diskutiert und manche Projekte haben bereits Gestalt angenommen, bzw. wurden auch vollendet. Während die südlichen Blöcke immer noch vom Verfall gekennzeichnet sind, wurde einer der nördlichen Blöcke bereits zu einer modernen Jugendherberge umgebaut, die nun von sich behaupten kann, die längste ihrer Art zu sein.

Prora auf Rügen: Bollwerk am Strand – Bild Nr. 200910106708

Der lange Sandstrand vor dem Gebäudekomplex ist natürlich traumhaft, und deswegen ist es auch gut, dass dieser Teil der Insel durch die Jugendherberge auch touristisch genutzt wird. Somit ist wenigsten ein Teil von Prora noch zu touristischer Nutzung gelangt, glücklicherweise aus einer vollkommen anderen Motivation.

Da außer den ‚Bettenhäusern‘ andere Gebäudeteile zwar angefangen, aber nie vollendet wurden, gibt es auch einige Bauruinen. So teilt in der Mitte ein Bollwerk den Strand, welches aber vermutlich eher aus der Zeit der militärischen Nutzung stammt. Für die beiden südlichen Blöcke der denkmalgeschützten Anlage wurde noch keine dauerhafte Verwendung gefunden, somit schreitet hier der Zerfall voran. Aber gerade das schafft dieses etwas gespenstische Ambiente, welches natürlich auch sehenswert ist.

Rügen: Dokumentationszentrum Prora – Bild Nr. 200910106748

Seit dem Jahr 2000 gibt es am nördlichen Ende der Südhälfte das Dokumentationszentrum Prora, in dem die Geschichte, der Anlage und ihre Hintergründe ausführlich und anschaulich dokumentiert sind. Ein Besuch dort lohnt sich, da hier umfangreiches Wissen über die Anlage selbst, die Baugeschichte, die Machenschaften der Nationalsozialisten und die Geschichte nach 1945 vermittelt wird.

Interessant ist es natürlich auch, einmal ins Innere der heruntergekommenen südlichen ‚Bettenhäuser‘ zu gelangen. Wir, meine Fotofreunde und ich, hatten nach langem Suchen einen offnen Zugang ins Innere gefunden, natürlich ohne etwas zu beschädigen. Einige Impressionen davon, füge ich als letztes an, in der Hoffnung, dass es hier bald nicht mehr so aussehen möge und sich doch noch eine sinnvolle und dauerhafte Nutzung für den Koloss ergibt.

   
Bild Nr.  200910106774 (links), 200910106783, 200910106784, 200910106785

   
Bild Nr.  200910106786 (links), 200910106791, 200910106792, 200910106794

Linkempfehlung:
Homepage des Dokumentationszentrum Prora
Außerdem empfehle ich noch meinen Artikel über Rügen in diesem Blog.

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  1. Hallo Georg, vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel über den ’steingewordenen Wahnsinn‘ wie Du schreibst. Die Innenansichten des Gebäudes sind beeindruckend, da kam man bestimmt nicht so einfach hin, bzw. durfte sich nicht erwischen lassen 😉

    LG, Kerstin

    1. Hallo Kerstin, es gibt hier und da Schlupflöcher ins Gebäude hinein, aber eben nichts offizielles. Wir hatten das Glück dass eine Eisentür zu einer ehemaligen Küche ein wenig offen stand. Durch stockfinstere unbeleuchtete Gänge sind wir dann ins Treppenhaus gelangt. Von da aus war alles kein Problem mehr. Es war auch niemand da, der etwas dagegen haben konnte. 😀

      Jetzt hoffe ich nur, dass ich mich mit dieser Veröffentlichung nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt habe. 😉

      LG, Georg

  2. wie du es schon beschreibst … ein wahnsinn!! aber gleichzeitig kommt mir der gedanke, hat sich die welt eigentlich geändert? was ist mit der höhe der gebäude, flugzeuge immer groesser und groesser, jetzt die kreuzfahrer, allein die menschen.. die bewegt werden müssen, kann da überhaupt noch eine menschliche logistik herrschen? toller bericht von dir georg!! danke fürs vorbeischauen, bin diesmal etwas später.. liebe gruesse manfred

    1. Hallo Manfred,

      danke für Deinen Kommentar. Es ist natürlich so, dass auch heute hier und da die Gigantomanie gegenwärtig ist. Aber bei Prora ist nicht nur die schiere Größe des Komplexes der Wahnsinn, sondern es ist auch ein bedrückendes Stück deutscher Geschichte.

      LG, Georg