Autokino statt Kleinkunsttheater

Leinwand im Autokino Mainz-Hechtsheim – Bild Nr. 202005223621

Die Covid-19-Pandemie greift nach wie vor tief in unser gesellschaftliche Leben ein. Manche sind existenziell weniger betroffen andere dafür umso mehr. Aber für jeden von uns laufen die Dinge anders als sonst. Besonders hart sind Künstler betroffen, die ihren Lebensunterhalt auf Bühnen vor Publikum verdienen müssen. Das betrifft freiberufliche Musiker, Schauspieler und Comedians in besonderer Weise. Umso wichtiger ist es diesen Menschen eine Chance zu geben, auf anderem Weg ihr Publikum zu erreichen.

Dass inzwischen improvisierte Autokinos auf zur Zeit ungenutzten Flächen eine Comeback feiern, ist eine willkommene Möglichkeit wieder ein kleinen Stückchen kulturelle Normalität in diese Zeit zu bringen, in der kaum noch etwas normal ist. Als ich las, dass im Autokino auf dem Messegelände in Mainz-Hechtsheim ein Comedy-Abend mit dem Mainzer Kabarettisten Lars Reichow stattfinden sollte, waren meine Frau und ich sofort bereit, dabei zu sein. Das war für uns eine völlig neue Erfahrung. Zwar wussten wir, dass es in den 1970er und 1980er mal Autokinos gab, aber wir waren nie dort gewesen. Aber in diesen Tagen kam uns diese wiederbelebte Möglichkeit, am kulturellen Leben abseits von Radio und Fernsehen teilzuhaben, gerade recht.

Die Autokinos unserer Tage haben nicht nur eine große LED-Leinwand, sondern auch eine Bühne. Mehrere Kameras bringen das Bühnengeschehen auf die Leinwand, und so ist es möglich nicht nur Filme zu zeigen sondern auch Konzerte oder Kleinkunstprogramme zu präsentieren. Der Ton kommt über eine eigens dafür bereitgestellte Rundfunkfrequenz in die Autos und applaudiert wird per Hupe und so ist auch für die Interaktion von Künstler und Publikum bestens gesorgt.

Lars Reichow in Aktion – Bild Nr. 202005223624
Die Bühne neben der Leinwand – Bild Nr. 202005223625

Ganz nebenbei: Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Wir konnten verschiedene Lunchpakete vorab im Internet bestellen, die wir uns dann bei der Einfahrt abholen konnten, alles ohne das Auto zu verlassen. Für mich war es zudem ein barrierefreies Vergnügen. Der Vortrag von Lars Reichow war wieder ein besonderes Vergnügen. Er brachte das aktuelle Geschehen mit scharfsinnigem Humor auf den Punkt. Wir konnten ungestört herzhaft lachen. Ein Erlebnis, an das wir uns noch lange erinnern werden.

Es war für uns ein völlig neuartiges Kulturerlebnis, gemütlich zu zweit im eigenen Auto und trotzdem nicht alleine, ein Stück neue Normalität in Zeiten der Pandemie. Ich hoffe, dass noch viele Künstler eine Chance bekommen, auf dieses Weise vor ihrem Publikum aufzutreten, und vielen von uns damit eine Freude zu bereiten. Wir werden gerne wieder dabei sein, wenn sich wieder eine solche für uns interessante Gelegenheit bietet.

Bild Nr. 202005223626
Auch ein Blick von der Bühne ins Publikum kam auf die Leinwand – Bild Nr. 202005223627

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