Heimat – Mein persönlicher Jahresrückblick

Mein Fahrrad – Meine Freiheit – Bild Nr. 201712246376

Wir schreiben den 24. Dezember 2017. Es ist Weihnachten und ein bewegendes Jahr geht zu Ende. Tolles Fotowetter haben wir zur Zeit nicht aber heute ist es bei uns trocken, die Luft ist klar und so habe ich gestern noch den Schlauch vom Vorderrad meine Pedelecs erneuert. Heute Vormittag habe ich mich dann damit auf den Weg gemacht, nach Wochen der Arbeit weit weg von zuhause, meine Lieblingsplätze in den Weinbergen um Nierstein aufzusuchen, um zu entspannen, Kraft zu schöpfen und mal wieder richtig durchzuatmen.

Der Niersteiner Wartturm – Bild Nr. 201712246381

Während ich so unterwegs war, hatte ich Zeit über das Jahr 2017 mit all seinen Erlebnissen, Begegnungen und Wendungen nachzudenken. Da waren meine beiden Urlaube, im Frühjahr auf Gran Canaria und im Herbst in Husum, in der garnicht so grauen Stadt am Meer. Schöne Erinnerungen sind damit verbunden aber auch wegweisende Veränderungen in meinem Leben. So habe ich bereits seit Jahren zunehmend immer größere Mühe, längere Strecken zu Fuß zurückzulegen. Auf Gran Canaria, hätte ich so gerne Las Palmas erkundet und die wunderbare Strandpromenade genossen. Aber leider war ich darauf angewiesen mit dem Leihwagen zu fahren, weil es einfach nicht anders ging. Das war irgendwie ärgerlich, weil Autofahren und Landschaft genießen zusammen nicht immer in Vollendung gelingt.

So habe ich mich nach langer Überlegung entschlossen, einen Aktivrollstuhl anzuschaffen und diesen in meine Möglichkeiten zur Mobilität mit einzubeziehen. Das war ein sehr schwerer Entschluss, weil der Begriff Rollstuhl für die meisten von uns zu Unrecht negativ besetzt ist. Nun habe ich also die freie Wahl zwischen meinem Aktivrollstuhl, dem Pedelec, dem Auto oder einfach mal kleinere Wege zu Fuß zu gehen. Das ist ein nicht unerheblicher Gewinn an Lebensqualität. Zugleich macht die Situation dankbar und und auch im positiven Sinne demütig. Dankbar bin ich inzwischen für jeden Schritt, den ich noch gehen kann und dafür, dass mir mein Pedelec weiterhin ein besonderes Maß an Freiheit schenkt, weil ich damit auch weitere Strecken zum überwiegenden Teil mit eigener Kraft zurücklegen kann.

Blick vom Wartturm über Nierstein, den Rhein, das hessische Ried bis zum Odenwald – Bild Nr. 201712246380

Die prägendsten Ereignisse hatten aber weniger mit meiner Mobilität zu tun. Es war ein emotional zutiefst bewegendes Jahr. Da war der Tod meiner Mutter, die im Sommer 87-jährig verstorben ist. Das traf mich zwar nicht unvorbereitet, aber dennoch markiert es einen Wendepunkt in meinem Leben. Ein solches Ereignis ist mit vielen Gedanken um das Leben an sich verbunden, und es gilt diese Gedanken positiv zu verarbeiten, was mir recht gut gelingt. Einige Begegnungen mit Menschen die ich neu kennenlernen durfte, und deren Schicksale mich bewegen, haben meinen Horizont erweitert und dafür bin ich sehr dankbar.

Mein Lieblingsplatz in den Weinbergen an Schmitts Kapellchen – Bild Nr. 201712246387
Am Nackenheimer Ehrenkreuz – Bild Nr. 201712246388

So bin ich also über den Roten Hang zwischen Nierstein und Nackenheim geradelt, habe mich hier und da mal hingesetzt und die beruhigende Aussicht auf den Rhein und darüber hinaus genossen. Eine prima Gelegenheit, die Gedanken zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Diese Fahrt hat mir wieder Kraft gegeben, Abstand von den vielen Dingen, die mich im Alltag beschäftigen zu nehmen, und die Weihnachtszeit entspannt mit der Familie zu genießen.

Ja, ich merke es immer wieder, Rheinhessen ist meine Heimat geworden. Lebe ich doch nun seit 38 Jahren hier und an Tagen wie diesen merke ich, dass es sich richtig gut anfühlt, auch wenn die Landschaft an Wintertagen nicht so wunderschön ist wie im Sommer, aber diese Verbundenheit mit der Heimat gibt mir einen festen Halt. Die Weite der offenen Hügellandschaft, ist immer ein Genuss und ein Zeichen dafür, dass mein Leben in einen weiten Raum der Möglichkeiten gestellt ist, in dem ich immer wieder neu meinen ganz persönlichen Weg finden und gestalten kann.

Ich wünsche allen meinen Lesern ein frohes und friedliches Weihnachtsfest, einen guten Start ins neue Jahr sowie die Kraft auch 2018 die Herausforderungen des Lebens zu meistern.

Blick vom Nackenheimer Ehrenkreuz auf die Rheininsel Kisselwörth – Bild Nr. 201712246391

6 Kommentare

  1. Hallo Georg,

    Das mit deiner Einschränkung tut mir leid, finde aber toll, dass du mit dem Pedelec so „frei“ sein kannst und auch andere Möglichkeiten wie den Aktivrollstuhl in deinen Alltag einbeziehst.
    Bei deinen Beiträgen, ich muss zugeben ich habe nicht alle gelesen, wäre ich nicht darauf gekommen, umso beachtlicher finde ich wie weit Du in deiner Heimat rumkommst.
    Ich wünsche dir und deiner Familie ein frohes Fest 🎄 und ruhige, besinnliche Feiertage.

    Frohe Weihnachten und liebe Grüße, Jörg

    1. Danke Jörg, ein Handicap muss nicht unbedingt totale Einschränkung bedeuten. Dagegen kämpfe ich mit allen Mitteln an. Und Hand aufs Herz, es geht mir doch noch gut. Es gibt schlimmere Schicksale.

      Ich wünsche Dir ein frohes Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

      LG, Georg

  2. Hallo Georg,
    ich wünsche dir , dass 2018 alles so wird, wie du dir vorstellst und du dir deine Mobilität weitgehend erhalten kannst. Das mit deiner Mutter tut mir sehr leid – ich denke, wenn ein Elternteil stirbt, trifft es einen immer sehr, egal ob es absehbar war oder nicht…mir wird auch zunehmend bewusst, dass meine Eltern immer älter werden 🙁
    Hab noch einen schönen 2. Feiertag mit deiner Familie und komm gut ins neue Jahr!
    LG, Netty

    1. Danke, liebe Netty, für Deine Anteilnahme. Dass die Eltern irgendwann nicht mehr da sind, damit müssen wir leider leben. Mein Vater war bereits 2009 im Alter von 89 Jahren gestorben. Er fehlt mir noch immer sehr und ich denke heute noch oft, wie schön es doch wäre, mal wieder mit ihm reden zu können. Aber so ist der Lauf der Dinge, und ehe wir uns versehen sind wir selber die Alten. Vor allem jetzt, seit meine Kinder alle erwachsen sind, wird mir das immer mehr bewusst.

      Mobilität ist ein ganz wichtiger Faktor im Leben. Viel zu lange habe ich es hingenommen, nicht mehr richtig gehen zu können. Immer war der Gedanke, dass so ein Rollstuhl doch ganz etwas schlimmes ist, und was denken dann andere darüber. Meine Erfahrungen im letzten Vierteljahr sind allerdings ganz andere: Ich erfahre viel (manchmal schon zu viel) Hilfsbereitschaft. Niemand ist das wirklich suspekt, und je mehr ich lerne, das Vehikel zu beherrschen um so besser geht es mir dabei. Wenn Dinge, die nur noch eine einzige Quälerei waren, plötzlich wieder Spaß machen, dann hat es sich der Schritt hin zu dieser anderen Form der Mobilität gelohnt. Dass ich immer noch gut Fahrrad fahren kann, macht mich auch froh. Das ist ebenfalls ein ganz wichtiger Baustein zu meiner persönlichen Unabhängigkeit.

      Ich wünsche Dir noch einen schönen stressfreien Feiertag.

      LG, Georg

  3. hallo Georg
    es tut mir Leid dass du so eingeschränkt bist ..
    du verstehst es ja mobil zu bleiben
    mein Vater hat auch so einen Elektroscooter..
    ich sehe den gar nicht als Rollstuhl an 😉
    er fährt damit einkaufen und in den Garten
    nachdem ich ihm sein Auto „abgeluchst“ habe 😉
    aber mit 97 sollte man doch langsam das Autofahren aufgeben (obwohl er noch gut fährt)

    ich hoffe dass du uns auch weiterhin mit deinen schönen Bildern hier aus unserem herrlichen Ländle erfreuen kannst
    alles Gute fürs neue Jahr

    Rosi

    1. Danke Rosi,
      es ist nicht immer ganz einfach, einen guten Weg zu finden, mit Einschränkungen richtig umzugehen. Aber die Mobilität und die damit verbundene Freiheit sind einfach existenziell, somit ist der Antrieb eine Lösung für sich zu finden natürlich gegeben, denn das Leben bleibt weiterhin spannend, ob mit oder ohne körperliche Einschränkungen.
      Dieses Jahr habe ich leider relativ wenig fotografiert, aber ich nehme mir vor, dass sich das im neuen Jahr wieder ändert. 🙂

      Ich wünsche Dir auch einen guten Start ins neue Jahr.
      LG, Georg

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