Graue Stadt am Meer

Der Hafen von Husum - Bild Nr. 201310181991
Der Hafen von Husum – Bild Nr. 201310181991

Husum – Die gemütliche kleine Hafenstadt in Nordfriesland beschrieb der Dichter und Jurist Theodor Storm (1817 – 1888) in seinem Gedicht „Die Stadt“ als Graue Stadt am Meer. Er tat dies aber mit wohlwollendem Blick, denn in dieser kleinen grauen Stadt, in der er geboren wurde, fühlte er sich Zeit seines Lebens zuhause. Damals stellte er fest, dass die Häuser in Husum alt und finster waren. Ja, alt sind sie rund um den Marktplatz und den Hafen zum großen Teil immer noch, aber sie sind farbenfroher geworden als zur Zeit des Dichters. Wenn dann noch die Sonne scheint und kein grauer Nebel schwer auf den Dächern liegt, dann entfaltet diese hübsche Stadt ihren ganzen Charme und es wird klar, warum es auch mich immer wieder in diese gar nicht so graue Stadt am Meer zieht, u.a. um mal wieder richtig frische Luft zu schnappen, denn die gibt es hier reichlich.

Land hinterm Deich - Bild Nr. 201310182005
Land hinterm Deich – Bild Nr. 201310182005
Das Husumer Sperrwerk - Bild Nr. 201310182095
Das Husumer Sperrwerk – Bild Nr. 201310182095

Machen wir also mal einen Spaziergang vom Hafen ans Meer und folgen dabei der Wasserkante. Hinter den Anlagen des Hafens liegt zunächst einmal das Sperrwerk, das nach der verheerenden Sturmflut von 1962 errichtet wurde, um künftig die Stadt vor weiteren Überflutungen zu schützen.

Entlang der Husumer Au verläuft nördlich der Deich, auf dem zahlreiche Schafe grasen. Südlich davon gehen die Salzwiesen allmählich ins Wattenmeer über.

Schafe am Deich - Bild Nr. 201310182093
Schafe am Deich – Bild Nr. 201310182093
Im Watt - Bild Nr. 201310182035
Im Watt – Bild Nr. 201310182035

Der Husumer Strand ist keine klassischer Sandstrand, sondern Teil des Deiches mit ein paar Treppen die ins Wasser, bzw. bei Ebbe ins Watt führen. Im Sommer stehen hier auch Strandkörbe für die Tagesgäste und die Urlauber auf dem nahen Campingplatz zur Verfügung. Immer im Blick ist die vorgelagerte Halbinsel Nordstrand.

DLRG-Station und Strandcafé - Bild Nr. 201310182053
DLRG-Station und Strandcafé – Bild Nr. 201310182053
Seezeichen in der Husumer Bucht - Bild Nr. 201310182055
Seezeichen in der Husumer Bucht – Bild Nr. 201310182055
Am Husumer Strand - Bild Nr. 201310182058
Am Husumer Strand mit Blick auf Nordstrand – Bild Nr. 201310182058

In der Husumer Bucht, in unmittelbarer Nähe zum Strand befindet sich diese künstlerische Installation mit dem Titel „Windhosen„, die 2007 von der Künstlerin Julia Bornefeld entworfen wurde. Die aus Metall hergestellten Hosen drehen sich entsprechend der Windrichtung. Zur zuweilen rauen Nordsee passt dieses Kunstwerk meiner Meinung nach besonders gut.

Windhosen - Bild Nr. 201310182069
Windhosen – Bild Nr. 201310182069

Theodor Storm stellt Husum vor

„Es ist nur ein schmuckloses Städtchen, meine Vaterstadt; sie liegt in einer baumlosen Küstenebene und ihre Häuser sind alt und finster. Dennoch habe ich sie immer für einen angenehmen Ort gehalten.“

(Storm am Anfang seiner Novelle „In St. Jürgen“)

Die Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn` Unterlaß;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.

Dieses Gedicht entstand 1851 und wurde 1852 veröffentlicht.
Text nach Theodor Storm: Sämtliche Werke. Hg. von K. E. Laage und D. Lohmeier.
Frankfurt 1987. Bd. 1. S. 14.

Quelle: Homepage der Stadt Husum

10 Kommentare

  1. Lieber Georg, sehr schöne Impressionen und ein gelungener Artikel, Theodor Storm sollte heute noch einmal vorbeikommen 🙂 Kann ich gut verstehen, dass du gerne mal in Husum bist – erst recht bei diesem traumhaften Wetter 🙂 Echtes Fotografenglück 🙂

    LG, Kerstin

    1. Danke Kerstin!

      Seit Theodor Storms noch autofreier Zeit, hat sich viel verändert. Er müsste seine Stadt wahrscheinlich erstmal wieder neu entdecken. 🙂

      Mit dem Wetter an der Nordsee haben wir bisher überwiegend gute Erfahrungen gemacht. Natürlich kann es dort erheblich ungemütlicher werden, als man es sich bei uns in Rheinhessen vorzustellen vermag, aber das Wetter wechselt ja auch i.d.R. immer wieder recht schnell, und wenn man sich auf niedrigere Temperaturen und ordentlich viel Wind einstellt, dann lässt es sich in Nordfriesland schon aushalten. Und wenn es mal stürmt und regnet, bleibt man am besten bei einer guten Tasse Tee drinnen, oder zieht sich wetterfest an. 😉

      LG, Georg

    1. Danke Ute,
      der Anblick der beiden Spaziergänger auf dem schmalen Damm ins Watt hatte mich spontan zu dem Bild „Im Watt“ animiert. Ich mag dieses minimalistische Bild auch sehr gerne.
      LG, Georg

  2. Hallo Georg,
    die bunten Häuser erinnern an Dänemark, ist ja auch nicht mehr sehr weit dorthin. Ich weiß nicht warum aber besonders gut gefällt mir „Im Watt“. Und die Windhosen machen ihrem Namen alle Ehre 😉
    Tschüss
    Rolf

    1. Hallo Rolf,
      dass die Ansicht Husums an Dänemark erinnert kommt nicht von ungefähr, denn das nördliche Schleswig-Holstein (Gebiet nördlich der Eider) war in früheren Zeiten mal deutsch, mal dänisch. Die heutige Grenze zwischen Dänemark und Deutschland wurde erst 1920 endgültig festgelegt.

      Ja, diese Windhosen sind schon eine tolle Idee. 🙂

      LG, Georg

  3. Das Gedicht von Theodort Storm steht in der Warteschleife auf meiner Webseite, mir fehlt noch das passende Bild dazu. Ich finde das Gedicht sehr schön.

    Deine Bilder zeigen eine Stadt, die ist so schön, das hatte ich nicht erwartet, dass Husum so interessant ist.

    Das Bild „Land hinterm Deich“ gefällt mir besonders gut, das strahlt so eine wunderschöne Ruhe aus.

    1. Hallo Agnes,
      wenn man die Weite und vermeintliche Leere der nordfriesischen Landschaft erst einmal für sich entdeckt hat, kann man sich in diese Gegend regelrecht verlieben.

      LG, Georg

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